Ton Maathuis | ![]() | ...life is too short not to |

Jetzt sitze ich hier schon einige Zeit und merke langsam, dass ich etwas tun will, was ich gar nicht kann. Einen Nachruf schreiben, wie geht das? Was soll ich ihm denn nachrufen? Hatte er mir nicht erst gerade eben an einem sonnigen Tag in Luxemburg auf dem 50 Jahr Treffen seines Clubs gesagt: Erzähl mal was alles passiert ist dieses Jahr, dann musst du es erst gar nicht aufschreiben. Und spät am Abend, hatte er nicht da nach einem langen, wunderschönen Tag und einem perfekten Abendessen bei einem letzten Schoppen gemurmelt: Ich glaube nicht, dass ich noch mal ein so großes Treffen organisiere.
Soll ich ihm jetzt nachrufen: Mach die keine Sorgen, jetzt organisieren andere für dich, da oben macht wohl Cecil Kimber eine große Empfangsparty für dich und hier unten werden deine Söhne und der MG Car Club Luxemburg das Banner des Oktogon hochhalten?
Es ist schwer jemandem etwas nachzurufen, von dem man eigentlich nicht glauben kann, dass er nicht mit einem verschmitzten Lächeln in den Augenwinkeln im nächsten Moment wieder auftaucht um zu berichten, dass er günstig den Lagerbestand aller MGA-Kolben oder eine komplette MG-Werkstatteinrichtung aus einer Auflösung erstanden hat. Also versuche ich besser gar nicht ihm etwas nachzurufen sondern schreibe einfach über Ton, wie ich ihn in den letzten 30 Jahren kennen- und lieben gelernt habe, 30 Jahre rund um das heilige Achteck und den verrückt liebenswerten Kerl, der mit seiner nur ihm eigenen Art letztlich jeden vom MG überzeugt hat.
Alles fing vor knapp 30 Jahren in Assen / Holland an, als junger Student schaute ich wohl etwas ungläubig aus meinem Zelt im Fahrerlager, als ein roter MG nebst fünf!! Insassen neben mir den Motor abstellte und aus dem Kofferraum neben Zelt und etlichen anderen Utensilien auch Klappstühle für die Jungenschar von der Rücksitzbank auftauchten. Da war sie die erste Begegnung mit der lebenden MG-Legende Ton Maathuis. Die Familie Maathuis, bestehend aus Ton, dem heimlichen Familienoberhaupt Fredry und den Söhnen Guy, Tim und Ken war an einem sonnigen Spätsommertag in mein Leben getreten und der Grundstein der Erkenntnis wurde an diesem Morgen gelegt, dass MGs nicht nur Autos sind, sondern eigentlich eine Lebensphilosophie als Komplettausstattung ohne Aufpreis bieten. Die Rückfahrt von diesem Treffen in Assen ist mir gut in Erinnerung geblieben, hatte ich doch als Jungspund zwar kein Geld in der Tasche aber den Anspruch mit dem MG der Schnellste auf jeder Straße zu sein. Der Tiefflug über holländische Landstraßen in der Abenddämmerung zeigte mir hier schnell, dass ich bei Leibe nicht der Einzige unter Gottes Sonne war, der mit dem Achteck umzugehen verstand. Der Hunger hatte Familie Maathuis bei der Rückfahrt überkommen und Tons Reaktion auf das verschämte Kramen in meinem chronisch leeren Portemonnaie war eine spontane Einladung auf eine Chinesische Reistafel, Ende der 70er für einen Jungen vom Land wohl ähnlich exotisch wie heutzutage ein tibetanisches Schlangenmus auf Grönland.
Ton und Fredry brachten an diesem Abend zwei neue Erfahrungen in mein Leben, erstens die Erkenntnis, dass man alles mal ausprobieren sollte et hätt noch immer jot jejange - und zweitens, das jeder zur MG-Familie dazugehören kann, wenn er denn nur will.
In den frühen wilden Jahren der MG Clubs gab es so einige exotische Farbtupfer als da waren Peter Guth, der einem längst vergessene Ersatzteilnummer aus dem Special Tuning Department am Telefon herunterbeten konnte, Christoph Gockeln, der einen immer wieder an Catweazle erinnerte oder auch Uli Hack, der so schön nächtelang philosophieren konnte, ein Mensch und seine Familie stach aber aus diesem bunten Haufen immer wieder heraus. Ton Maathuis machte manche Verrücktheit mit und war auch Urheber oder Schöpfer so mancher Verrücktheit rund um die Buchstaben MG. Ein Beispiel sind die Highland Games, der Höhepunkt der etwas anderen Autotreffen. Ich habe längst vergessen wo ich das erste Mal dabei war, aber unvergessen ist Ton als Clanchief hinter der Bretterwand, der ein ums andere Mal tapfer den heranfliegenden wassergefüllten Luftballons ins Auge blickte um gegen Abend auf der Burg Eltz? zum gleißenden Licht eines Feuerschluckers und spuckers einen honorigen Säbeltanz im Schottenrock hinzulegen. Feste feiern das konnte Ton zu jeder Gelegenheit und nicht nur auf den Highland Games. Wir die beste Ehefrau von allen das Bärbelchen und ich - hatten das Glück viele Feste mit Ton und Fredry feiern zu können, sei es unsere eigene, Ton und Fredrys goldene Hochzeit oder auch die Flying Squirrel Saisonabschlussfeiern. Neidlos erkenne ich Bärbels Expertenmeinung an, dass Ton ein begnadeter Tänzer war.
Sein umtriebiges Wesen stiftete Bekannt- und Freundschaften rund um das Oktogon, die ohne ihn wohl kaum zu Stande gekommen wären, wie hätte ich sonst wohl MG-Rennchoryphäen wie Barry Sidery-Smith, Rae Davis, Anthony Binnington oder Curt Wagner kennenlernen sollen.
Sein Wissen rund um das Oktogon beschreiben zu wollen hieße Eulen nach Athen tragen, nichts ist unmöglich ist wohl ein später nur von der Werbung abgekupferter Spruch wenn man einmal die Gelegenheit hatte die Schuppen und Garagen an der Rue Tomm gemeinsam mit Ton durchstöbern zu können. Jedes noch so lang gesuchte MG-Teil zog Ton mit zielsicherem Griff aus dem Berg, der für manchen Laien wohl den Eindruck machte als seien es die Reste einer Maschinenfabrik nach einem Bombenvolltreffer. Ich versuche seit Jahren meine heimatliche Garage nach Tons Vorbild zu ordnen, aber seine Perfektion ist glaube ich unerreichbar.
Dogmatisch war seine Liebe zu MG nie, er fuhr einen MG Maestro genau so gern wie einen MG P Special und half bei der Suche nach einem MG Metro genau so gern wie bei der Recherche nach einem K3. Und auch neben dem MG füllten so einige Exoten die heimatlichen Garagen, Jaguar, Ferrari oder Rover standen und stehen einträchtig neben einer exquisiten Auswahl all dessen was Abingdon einst produzierte.
Neben all den Festen, Treffen und Kontakten stand eines immer im Vordergrund seines Lebens das war das Fahren der MGs und das am liebsten offen egal wie das Wetter gerade war und nicht wenige seiner Wagen haben noch nicht mal die Möglichkeit irgendeine Art Wetterschutz zu installieren. Einige Jahre hatten wir die Ehre, Tons fahrerischen Fähigkeiten in unserem kleinen Rennteam Flying Squirrel genießen zu dürfen. Unvergessen werden seine Turns bei schlechtem Wetter bleiben, die ihm zu Recht den Beinamen Regenteufel beschert haben, nach seiner aktiven Rennzeit blieb er dem Team treu als genialer Motorenbauer, Freund und Berater.
Ton hat uns allen Jahrzehnte vorgemacht warum MG eine einzigartige Automarke ist, mögen auch die Menschen, die MG fahren so unterschiedlich sein wie sie wollen, eins konnte Ton perfekt nahezu die niederländisch/ luxemburgische Verkörperung des kölschen Spruchs Jeck loss Jeck elans einen jeden so zu nehmen wie er ist, ihn nicht ändern zu wollen und sich mit ihm und seiner Art zu freuen was diese seltsame Automarke uns allen gegeben hat die Freude am Leben.
Was soll ich so einem Menschen wie Ton nun nachrufen? Mir fällt nur eins ein Du warst genau richtig immer so wie du warst, niemals grummelig oder grantig, immer offen und ehrlich und du hast immer nach vorne geschaut ohne die Vergangenheit zu vergessen. Mögest du da oben all die Treffen, die du hier nicht mehr kennenlernen konntest und mögen die Hiergebliebenen etwas von deiner Gelassenheit, Hilfsbereitschaft und offenen Art in Ihr Herz aufnehmen.
Danke Ton
Pictures courtesy of Andreas Pichler, Henrik Verspohl, Curt Wagner and Flying Squirrel.