Und das ist auch gut so | ![]() | eine kurze Saison für Flying Squirrel |

Das Frühjahr war im Sturm verflogen und hatte mit phantastischen Highland Games bei hochsommerlichen Temperaturen, sowie einem kurzem Englandtrip zwecks Midget-Beschaffung für einen MG-Novizen für ordentlich Kurzweil gesorgt – nur, ja nur die Wiederbelebung der Badewanne nach dem Hockenheim-Fiasko des letzten Jahres hatte sich arg verzögert. Eifrige Beobachter des Squirrel-Geschehens werden sich erinnern, dass just beim Start des Hockenheim-Rennens sich der Druckschlauch des Ölkühlers verabschiedete und so binnen Sekunden für einen ordentlichen Lagerschaden gesorgt hatte. Ton Maathuis hatte sich ein weiteres mal um die Gesundung des maladen Triebwerks gesorgt und Anfang Juni hatte endlich die Vermählung des Triebwerks mit der meerjungfraublauen Karosse stattgefunden. Dem Jan-Wellem-Pokal und den 2 Stunden Nordschleife der Triumph IG Südwest stand nun nichts mehr im Weg, der Bully war geladen, auf dem Hänger thronte die Badewanne und die Sonne strahlte – Flying Squirrel war back on the road!
Im Fahrerlager des Nürburgrings trafen sich die Squirrels nahezu vollzählig, Andreas Pichler und Henrik Verspohl – beide begnadete Mechaniker – freuten sich, die Schraubenschlüssel wieder schwingen zu können, Curt hatte ein monströses Wohnmobil für das leibliche Wohl des Teams ausgeliehen und zur Belustigung und geistiger Erfrischung des Teams verstärkte der Mentalcoach – ja sowas muss man als modernes Team jetzt haben - Volker Haltenhof die Squirrel-Bande. Nur Chef-Mechaniker Alex „Atze“ Reinink und der Motorenpapst Ton Maathuis waren verhindert. Alles versprach ein Highlight des Motorsports zu werden, wenn, ja wenn nicht die ansonsten so zuverlässigen NGK-Rennkerzen reihenweise im Leerlauf das Lebenslicht ausgeblassen hätten und im Training eine über der Windschutzscheibe knickende Motorhaube die Laune ein wenig getrübt hätten.
Im ersten der beiden Läufe lief es nach anfänglichen Zündkerzenproblemen ganz zufriedenstellend, wenn auch die anfangs wegen der Zündkerzenwechsel verlorenen zwei Runden auf den wunderschön aufgebauten Düsseldorfer MGB der Müller-Brüder nicht mehr aufzuholen waren. Mangels weiterer Schraubertätigkeiten am MG amüsierte sich Andreas an einem Ford V8 befeuerten Plastik-Irgendwas – nicht Mustang und auch nicht Falcon, halt irgendwas unbekanntes US-Fiberglas-Flaches aus den 60ern während der Rest des Teams sich mit Reisdorf-Longneck-Bottels aus der freien Reichsstadt Köln und Hannes Wader-Liedern der 70er vergnügte. Der Abend endete im verzweifelten Hilfeversuch am zündfunkenlosen Müller-MGB und in der Erkenntnis, das eine wunderschöne Optik nicht unbedingt schrauberfreundlich sein muss, bzw. der Teufel immer im Detail steckt. Kurzum trotz aller Bemühungen stellte sich kein Funke an der richtigen Stelle ein und ein „Funke“ an der falschen Stelle sorgte obendrein für einen kleinen Kabelbrand und das frühe Ende des MGB-Konkurrenten aus Düsseldorf.
Das zweite Rennen und die privaten zwei Stunden auf der Nordschleife rundeten den aktiven Sportteil des Wochenendes perfekt und ohne Probleme ab. Eine Erfahrung der besonderen Art waren die 3, 4 Runden in Volkers original Werks-MGBGT V8, nicht nur da die Sitzposition auf dem Beifahrersitz dank zweier Ersatzbatterien zumindest gewöhnungsbedürftig erschien, nein auch weil mir erneut klar wurde, dass mein Platz am Volant eines Fahrzeugs und nicht der eines zum Zuschauen verdammten Mitreisenden war. Viel Spaßiger waren die „Selbstfahrer“-Runden auf dem V8, die die Erfahrung brachte, dass es tatsächlich Bremsbedarf und-punkte auf den Bergaufpassagen der guten alten Nordschleife gab. Was für einen Unterschied doch doppelter Hubraum und Zylinderzahl bringen kann!
Der Abend klang endlich wieder einmal feuchtfröhlich im legendären Lindenhof bei der nicht minder legendären Lindenwirtin Renate aus. Wohlig und erfrischend auch der ausgiebige Schönheitsschlaf im luxeriösen Luxemburger-Leih-Wohnmobil, wenn auch die wohlige Wärme – wie ich am frühen Morgen feststellte – nicht der Standheizung sondern des selige schnarchenden und kuschelnden V8-Besitzer entströmte. Wer hätte an diesem schönen Juni-Sonntag gedacht, dass das nächste Flying Squirrel Zusammentreffen erst gute 4 Monate später und unter alles anderen als fröhlichen Vorzeichen stattfinden sollte? So aber verabschiedeten sich alle in der freudigen Erwartung eines baldigen Wiedersehens.
Es kam wie es nicht kommen musste, aber nun mal kam. Kleine Faux-pas des Lebens wie Terminkollisionen zwischen Familienurlaub oder anderen MG-Events sind durchaus verzeih-, überteuerte Events, die den schmalen Geldbeutel des Flying Squirrel-Teams sprengen vermeid- aber Schicksalsschläge wie den tragischen Unfalltod des langjährigen Squirrel-Team-Mitglieds Ton Maathuis eher unfassbar. So dauerte es bis zum letzten Saisonrennen in Hockenheim, bis sich ein kleines dezimiertes Häuflein des Teams um die blaue Badewanne versammelte.
Schon lange abgesprochen war die Teilnahme eines durchaus sympathischen Porsche 911-Treters, der neugierig war wie sich ein britisches Konkurrenzprodukt wohl fahren würde. Lutz Ilgner, ein untypischer, weil weder geizig noch mürrischer, Schwabe bereicherte das Wochenende mit trockenem Humor und schnellen Rundenzeiten. Curt – der beste aller Mitfahrer – sagte, noch sichtlich gezeichnet durch Tons Tod, kurzfristig sein Kommen ab und so hätte ich spontan wohl umgedreht und das Gespann aus Flying Squirrel VW Bully nebst blauem Hänger und noch blauerer Badewanne wieder gen Heimat gesteuert, wenn, ja wenn ich nicht an diesem Donnerstagabend bereits Menschen kreuz und quer aus Deutschland Richtung Hockenheim gelotst hätte. Henrik, die treue Seele aus dem Bergischen, pickte ich an einem Rastplatz in der Nähe von Siegburg auf, Lutz kam aus der Stuttgarter Ecke und Alex „Atze“ Reinink war bereits aus dem tiefen Süden Deutschlands auf dem Weg.
Beim Treffen dieses kleinen Häufchens kurz vor Mitternacht im Fahrerlager kam dann doch so etwas wie eine kleine Vorfreude auf die kommenden zwei Tage und erste Pläne zur neuen Saison keimten auf. Wiederrum war unser Rennen zweigeteilt, Freitags 2 ½ Stunden und Samstags weitere 1 ½, echte Langstreckenrennen sind halt rar und unbezahlbar geworden. Das Training überließ ich nach 3 knappen Runden für die nächste halbe Stunde Lutz, damit er sich an das ungewohnte britisch solide Fahrverhalten gewöhnen konnte. Ein drittletzter Startplatz war Lohn der Mühen und eher lustlos übernahm ich die Rolle des Startfahrers beim nachmittäglichen ersten Rennens als erste Tropfen auf den bis dahin trockenen Asphalt fielen. Je näher der Start rückte, je dichter fiel der Regen und desto höher stieg mein Adrenalinspiegel um sich mit einem Schlag zu entladen als die letzte rote Startampel erlosch. Die ersten Runden auf schlüpfriger Strecke waren ein steter Quell der Freude und Position um Position rückte die kleine tapfere Badewanne nach vorne. Egal ob Porsche, Triumph, Ami-V8 oder „Fellow-MGB“, der meerjungfraublaue MGB fuhr unaufhaltsam nach vorne und mein Grinsen am Volant wurde breit und breiter. Auf dem 19. Platz übergab ich widerstrebend den treuen kleinen Recken an Lutz, der dann auf abtrocknender Strecke noch eine Stunde Spaß hatte.
Der Abend danach war einer dieser Abende an den man verträumt noch lange denken wird. Mangels Schraubernotwendigkeiten konnte das gesamte Team, sich den spirituellen Genüssen des Lebens widmend und garstige Kommentare über die schraubenden Rennkollegen absondernd, durch das Fahrerlager schlendern und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Den Düsseldorfer „Müller MGB“ hatte leider wieder der Fehlerteufel gepackt und schien für das zweite Rennen am nächsten Vormittag nicht mehr fit zu werden. Hier konnten wir leider nicht helfen, so halfen wir lieber bei der Umsatzsteigerung der „Privatbrauerei Reissdorf, Köln“ und freuten uns im gewärmten Bully bei 80er Jahre Musik und weltrettenden Diskussionen bis spät in die Nacht auf den kommenden Tag. Der brachte leider nicht den erhofften Regen und somit auch keine Chance auf Ergebnisverbesserung, dafür aber beiden Fahrern ein paar schöne schnelle Runden und mir kurz vor Schluss das Erlebnis bei plötzlichem Vollgas auf eine Bremskurve zuzufliegen. Was war passiert? Eigentlich nichts Schlimmes, nur die Rückholfeder an der Drosselklappe des Webervergasers war gebrochen und verkorkste uns die letzten zwei Runden, denn es ist nicht allzu lustig mit dem Zündschlüssel den Bremspunkt zu markieren. Seis wie es sei – das letzte Rennen 2007 beendeten wir als 5. In der Klasse und 24. Overall und konnten ohne wirkliche Probleme die kurze Saison beschließen-
Die Moral von der Geschicht? -
Genieße das Leben, denn manchmal ist´s unverhofft kürzer als gedacht -
Lass ihn dir nicht nehmen, denn der Spaß kommt manchmal von allein -
Echte Freunde sind durch nichts und niemanden zu ersetzen -
Und auch kurze Dinge können Freude machen
Und das ist gut so!
Liebe Freunde des fliegenden Eichhörnchens auch 2008 werdet ihr uns hier und dort auf den Rennstrecken Europas irgendwo erleben, wir freuen uns auf euch und ihr hoffentlich auch auf uns! Für jede Unterstützung sind wir nach wie vor dankbar, wer uns wie auch immer unter die Arme greifen will melde sich einfach unter www.mgcars.de/squirrel oder www.flyingsquirrel@freenet.de. Vielleicht findet sich ja auch irgendwo ein guter pre 65er MG Midget zur Verstärkung des Flying Squirrel Teams um endlich mal der Klasse der Porsche ausweichen zu können, meldet euch einfach mal
Bis dahin
Tot ziens – euer Flying Squirrel
Horst PS: An dieser Stelle der übliche Aufruf - wenn jemand die kleine blaue Badewanne aktiv unterstützen möchte, sei es durch eigene Muskelkraft, durch Geld- und/oder Sachspenden bzw. seine Produkte / seine Firma werbemäßig durch Flying Squirrel bekannter machen will: Hier ist die E-Mail auf der alles machbar ist flyingsquirrel@freenet.de
Mehr Bilder (Vorschau anklicken für Vollbild):
Pictures courtesy of Andreas Pichler, Henrik Verspohl, Curt Wagner and Flying Squirrel.