Home:Saison 2006:Spa im April

Ardennen

Offensive



Flying Squirrels Kampfspuren im Schnee

Heftiger Wind zerrt und rüttelt an dem dünnen Leinen und manch ein weißes Flöckchen tanzt verträumt durch die Ritzen des Zelts. Drinnen sitzt ein wilder abgekämpfter Haufen, der den Unbilden der Natur trotzt. In der Ferne rollt der Donner der schweren Geschosse unablässig näher. Im Zelt denkt keiner daran aufzugeben, hier wird die Stellung gehalten bis zum letzten Tropfen Kölsch.

Liebe Freunde der meerjungfrauenblauen Badewanne, nein wir schreiben nicht das Jahr 1944, Ort und Witterung sind zwar dieselben, aber im April 2006 rührt das dumpfe Donnern nicht von den näher rückenden Alliierten her, sondern von großvolumigen Motoren. Ein munteres Trüppchen hat sich für ein Wochenende an der wunderschönen Ardennenstrecke in Spa-Francorchamps niedergelassen. Der FHR-Langstreckencup ist mit knapp 70 Fahrzeugen ebenso zugegen wie historische Formel-Renner und moderne Touren- und Sportwagen. Erstmalig hatten wir die Gelegenheit die moderne Forme 1-Boxengasse mit unseren Autos zu belegen und bekennen, diese "modernen" Anlagen könnten schon mit ein Grund für die Formel1 gewesen sein Spa, mit knapp 7 km Länge immerhin der längste noch verbliebene Kurs im modernen Rennzirkus und mit der Gründung aus dem Jahr 1922 auch einer der ältesten, aus dem aktuellen Terminkalender zu streichen.

Sanitäre Anlagen gab es - man musste sie nur im weiten Rund finden - warmes Wasser, zumindest zeitweise, auch, aber aus einer warmen Dusche in den unbeheizten Vorraum zu treten ist ein Gefühl wohl nur mit einer Winternacht in einer finnischen Sauna irgendwo in Lappland zu vergleichen.

Sei's wie's sei - wir, dass sind Curt der unerschrockene MG-Treter aus Luxemburg und ich, dass Urhörnchen von Flying Squirrel, waren schließlich nicht zur Verrichtung von Körperhygiene in die belgischen Ardennen gekommen, sondern um mit dem kleinen MGB der versammelten Zuffenhausener Armada das Fürchten zu lehren. Lutz, der zuverlässige Lieferant von gut gekühlten Bad Schussenrieder Bier und immer mit Sprit-Problemen geplagte 911er-Treter war genau so stilecht mit Wohnmobil im Fahrerlager vertreten wie wir und so wurde es am Freitagabend lang und die erzählten Rundenzeiten der einzelnen Teams rückten verdächtig in die Nähe von Formel1-Rekordrunden.


Das wird wieder - bestimmt!

Das samstägliche Pflichttraining verlief Problem- und ereignislos, die einzigen Erkenntnisse waren a) die Badewanne hatte den Winter gut überstanden und b) das Training am heimatlichen PC mit dem wirklich empfehlenswerten Spiel GT Legends hatte sich gelohnt, denn endlich hatte ich einen anständigen Bremspunkt für die Busstopschikane gefunden. Auch der Routinecheck nach dem Training brachte keine Überraschungen, Öl und Wasser ok - Bremsbeläge vorne gewechselt, dass war's schon.

Was machte der Mensch wenn im langweilig wird und noch Zeit im Überfluss vorhanden ist? Er sucht sich was um sich die Zeit zu vertreiben. Curt fing an den vorderen Stabi zwecks Neujustierung abzuschrauben während ich darüber sinnierte ob ich noch eine Flasche Kölsch gustieren oder doch zu meinen Lieben ins nahe heimatliche Vaals zu fahren um gemeinsam im Familienkreis die Pokalsensation mit einem erhofften Frankfurter Sieg gegen Bayern zu schauen. (Nein ich bin kein Frankfurt Fan, aber wenn mein heißgeliebter 1.FC Köln schon nicht mehr für Furore sorgt, dann ist mir ein Aussenseitersieg schon lieber) Während ich also noch sinnierend dastand war Curt schon beim Zusammenbau der rechten Seite, interessiert beugte ich mich zu ihm hinunter und fragte beiläufig wo den dieser kleine Kupferkonus hingehöre der so allein neben den Vorderrad läge? Ich schaute nur in ein verständnisloses Gesicht meines Beifahrers und ganz hinten in meinem kopf dräute, dass die Ereignislosigkeit des Nachmittags ein nahes Ende finden würde. Bei genauer Inspektion stellte sich heraus, das dieser kleine unscheinbare Konus gemeinsam mit seinem z.Z. unauffindbaren Zwillingsbruder für die mittige Führung des Stabiarms zuständig gewesen waren. Unbemerkt waren die beiden kleinen Kupferteile beim Herausziehen der Stabischraube durch die Formel1-Box gekullert und eines der kleinen Teile war einfach unauffindbar. Einige Telefonates mit Magic-Alex unserem Teamschrauber brachten nur halbe Entwarnung, den nicht ohne Grund waren die Teile konisch, diese Form sollte die freie Beweglichkeit des Arms gewährleisten, ein einfaches Ausrichten mittels passender Unterlegscheiben war also nicht "drin". Schön wenn man so gefordert wird, das macht den Nachmittag erst wirklich spannend, aber wir wären nicht Flying Squirrel wenn nicht auch für diese Problem eine Lösung gefunden worden wäre, eine konische Anordnung von Unterlegscheiben unterschiedlicher Dicke und Umfangs bildet das nie mehr aufgetauchte Original nahezu perfekt nach.

Allen Frühlingsgefühlen nach getaner Arbeit zum Trotz schneite es sich auf den Ardennenhöhen langsam ein als ich mit dem schön zu fahrenden MG ZT-T von Curt doch abends noch zur heimatlichen Flimmerkiste und einer einladend warmen Dusche eilte.

Der Sonntag zeigte sich als idealer Vertreter des Monats April von stürmischem Regen (Abfahrt in Vaals/NL) über kurzen Sonnenschein (die Höhen von Verviers/B) bis hin zu Schneegestöber (Spa/B) bot das Wetter jede erdenkliche Kapriole.

Der Start des 4 Stundenrennens zur Mittagsstunde erfolgte dann bei Sonnenschein und schnell fand ich als Startfahrer ins Rennen. Im Zweikampf mit der gelben Escort-"Banane" von Jörg rollten wir langsam gemeinsam das Feld von hinten auf und ließen einiges großvolumiges in der ersten halben Stunde hinter uns liegen. Lohn der Arbeit waren Rundenzeiten, die mit 3:27 deutlich schneller als noch letztes Jahr waren aber immer noch gut 4 Sekunden langsamer als meine eigenen Zeiten aus den späten 80ern des letzten Jahrhunderts - tja man wird nicht jünger, aber zu meiner Ehrenrettung sah damals die Strecke an einigen Ecken auch noch flüssiger aus.

Eingebremst wurden Jörg und ich vom Pacecar, dass nach einigen Unfällen bei einsetzendem Regen das Feld wieder zusammenrücken ließ. Die nächsten anderthalb Stunden waren geprägt durch rasch wechselndes Wetter, lustige Pirouetten der Konkurrenz und manche weitere Pacecarrunde. Höhepunkt für mich persönlich waren nach fast einem Vierteljahrhundert Racing meine ersten Runden auf einer pulvrig weißen Rundstrecke, einen Vorteil hatte der Neuschnee ja - die Ideallinie war klar gekennzeichnet und gefährliche Stellen waren durch spiralförmig nach außen führende Spuren ebenso gut erkennbar. Es ist schon erstaunlich wie schnell man auf Neuschnee unterwegs sein kann, leider mühte sich das Gebläse ebenso vergeblich die Scheibe von innen freizuhalten wie die zierlichen Scheibenwischer dieselbe von außen. Von außen mag meine Sitzposition merkwürdig ausgesehen haben, aber diese gedrungene Haltung ermöglichte es mir das kleine Sichtfeld direkt über dem Gebläseaustritt und unterhalb des Wischerfeldes zwischen Armaturenbrett und Lenkradkranz visuell optimal auszunutzen und irgendwie heimzufinden in die Boxengasse zum Fahrerwechsel.

Mit Curts Wechsel in den Fahrersitz schien auch der liebe Gott ein Wettereinsehen zu haben und der Schnee ging wieder in Regen über. Die weiße Pracht war so schnell verschwunden wie sie gekommen war. Routiniert spulte Curt seine Runden herunter und langsam - wie schon so oft - kletterte der B das Scoringboard nach oben. Nach einer halben Stunde fehlte aber Curt zur gewohnten Zeit, was war passiert? Mit deutlicher Verspätung kam ein entnervter Curt in die Box. In Les Combes hatte er den B auf den Curbs kurz "verloren" und war rückwärts in die Leitplanke eingeschlagen. Es bedurfte schon eines liebevollen Zuredens "Steig gefälligst ein und gib Gas, schließlich läuft er noch" um Curt wieder auf die Strecke zu bringen. Ich bin noch heute meiner Boxencrew nach meinem Ringunfall dankbar, dass sie mich sofort wieder ins Auto gesetzt hatte, ist man erst mal draußen steigt man nicht mehr so schnell ein. Curt überwand seinen inneren Schweinehund und langsam wurden die Rundenzeiten wieder schneller. Nach vier Stunden stellte er den B auf dem 3. Platz hinter und vor zwei 911ern ab und gemeinsam konnten wir in Ruhe den Schaden begutachten. Echte Probleme waren nur am hinteren rechten Kotflügel und am Heckabschlußblech auszumachen. Alles halb so wild und mit etwas Organisationstalent in den nächsten 4 Wochen bis zum nächsten Rennen in Assen zu richten.

Um den Abend so richtig komplett zu machen rief mich kurz darauf die beste Ehefrau von allen an um zu berichten, dass man in den Familientransporter einen 70er Jahre Saab 95 7-Sitzer eingebrochen habe und mein heißgeliebtes Aldi-Navi gestohlen habe (Soll es den Dieb auf ewig in die Hölle leiten). Damit nicht genug, beim Aufladen qualmte der B wie eine alte Dampfmaschine aus der Getriebeglocke. (wahrscheinlich der hintere Simmerring??)

Curt hat die Badewanne daraufhin direkt nach Luxemburg entführt und mit riesigem Organisationstalent einen bezahlbaren und vor allem schnellen Karosseriebauer aufgetrieben.

Nächstes Wochenende kommt der B dann zur Motorrevision in die heimatliche Garage und am 20./21. Mai geht's dann hoffentlich zum zweiten Lauf nach Assen/NL.

Bis dahin - tot ziens

Euer Flying Squirrel - Horst

PS: An dieser Stelle der übliche Aufruf - wenn jemand die kleine blaue Badewanne aktiv unterstützen möchte, sei es durch eigene Muskelkraft, durch Geld- und/oder Sachspenden bzw. seine Produkte / seine Firma werbemäßig durch Flying Squirrel bekannter machen will: Hier ist die E-Mail auf der alles machbar ist flyingsquirrel@freenet.de


Pictures courtesy of Andreas Pichler, Henrik Verspohl, Curt Wagner and Flying Squirrel.