6 Stunden | ![]() | von Spa |
Wir freuten uns seit Monaten. Das 6-Stunden-Rennen von Spa im Rahmen des FHR-Langstreckencups, ausgetragen an einem Samstagabend von 18:00 bis 24:00 Uhr, versprach mit der einzigartigen Atmosphäre des Nachtrennens ein Höhepunkt der Saison zu werden. Curt Wagner und Horst Pokroppa waren als Fahrer genannt, Henrik Verspohl und meine Wenigkeit kümmerten sich als Schrauberteam um das Wohl der Technik. Die "Badewanne" - Horsts türkisblauer MGB - war proper vorbereitet, ausser einer kleinen Durchsicht (Bremsen entlüften, Öl & Kühlwasser prüfen, Schmierdienst durchführen) war für Henrik und mich nicht viel zu tun.
Da kam natürlich der Garagennachbar mit seinem Frosch gerade recht, um uns die Zeit zu vertreiben. "Wir packen ein!" verkündete der Besitzer des Sprites, Kai von Schauroth. "Kupplung trennt nicht." - "Wollen ihr nicht wenigstens mal kurz den Motor herausholen und nachsehen?" versuchten wir zu motivieren. "Wir helfen auch mit!" versprachen wir dem Geist der "marquee of friendship" entsprechend. Gesagt, getan, um 17:30 war der Frosch mit vereinten Kräften frisch am Start. Schadensursache: der Ruckdämpfer der Kupplung war dematerialisiert und hatte seine Überbleibsel im Kupplungsgehäuse verstreut.
Im Auftakt-Stint holte Curt Wagner mit 3:30 unsere Bestzeit. der Fahrerwechsel um 19:30 verlief planmaßig, schon nach 45 Minuten nutzte jedoch Horst die erste von vielen Safety Car Phasen zum vorgezogenen Fahrerwechsel. Eine knappe 3/4-Stunde war für Curt "freies Fahren", anschließend kam aufgrund mehrerer entlang der Strecke verteilter havarierter Autos und eines brennenden TVR das Safety Car wieder heraus. Während der Bergungsarbeiten passierte dann das, was eigentlich nicht passieren darf: Team Dittmann schoß mit einem übermotivierten Manöver den Renner von Derichs ab, was zu 2 Totalschäden und einer fast 45 Minuten währenden Sperrung der Strecke führte.
Während Curt auf der Strecke unseren Renner bewachte, rechneten wir in der Box Tankmengen durch - und entschieden, dass wir nach Neustart des Rennens nicht mehr nachtanken würden. Erstens würde dies Zeit, zweitens Nerven sparen. Curt hatte namlich Anlasserprobleme gemeldet, und da in Spa beim Tanken kein Boxenpersonal zugelassen ist, wäre das Anschieben eine anstregende Sache geworden.
Um 22:45 war es dann soweit - Neustart des Rennens. Wir gönnten Curt noch 3 schnelle Runden, dann signalisierten wir "In" und wechselten das letzte Mal den Fahrer. Routinestop: Bremsen prüfen, Scheibe reinigen, Öl nachfüllen, Benzinmenge checken. Unsere Rechnung stimmte bis hierhin. 40 Liter hatten wir erwartet, knapp unter 40 waren noch drin. Bei 120 km/h Schnitt waren nun noch 150 Kilometer insgesamt zu fahren, das sollte also reichen.
Horst spulte ein gleichmaßiges Programm ab. Rundenzeiten zwischen 3:40 und 3:50 wurden notiert. Schließlich wurde es Mitternacht - und die Rennleitung verkündete Verschiebung des Zieleinlaufs auf 0:07 Uhr. Hoppla - 2 Runden mehr? Gar 3, wenn die Zielflagge für unsere Position unglücklich fällt? Das wären 21 zusätzliche Kilometer. "Ihr habt doch gut gerechnet mit dem Sprit?" erkundigte sich Curt an unserem improvisierten Kommandostand an der Boxenmauer. "Wir haben nicht gerechnet, wir haben geschätzt." Nun wirkte Curt etwas unglücklich. "..aber sehr genau geschätzt." beruhigten wir ihn.
Endlich - 0:07, die Flagge fällt. Da kommt Horst - er fährt, er rollt nicht nur. Offensichtlich haben wir genau genug geschätzt. Der Verzicht aufs Nachtanken und der vorgezogene Wechsel haben uns schließlich genau die Minuten gebracht, um auf Platz 18 anstelle 19 im Gesamtklassement zu landen. Gehobenes Mittelfeld - das, was geht mit dem MGB.
Andreas Pichler
Qualifying, Rennverlauf und -ergebnisse zum Download (0,5 MB)
Pictures courtesy of Andreas Pichler, Henrik Verspohl, Curt Wagner and Flying Squirrel.