No one knows what it’s like till one tried it | ![]() | Good idea and bad end zum Saisonstart 2005 bei Flying Squirrel |
Nach furiosem Start in die Saison 2004 bei Egons 500 im Vorfeld des 24h Rennens am Nürburgring schlug wiederholt der Fehlerteufel zu, um beim Saisonfinale 2004 mit einem Lagerschaden eindeutig zu signalisieren – jetzt ist´s Zeit für eine gründliche Auffrischungskur!
Ton Maathuis, mittlerweile als Fahrer in- dafür als Schrauber mehr als aktiv hatte sich zur Schonung des mehr als schmalen Rennbudgets bereit erklärt den lang ersehnten neuen Motor rechtzeitig für die Winterpause bereitzustellen und Atze „Magic“ Reinink aus Freiburg wollte dieses Jahr auch rechtzeitig die übrige Frischzellenkur an der guten alten Badewanne beginnen.
Somit standen die Sterne gut für das kleine tapfere Flying Squirrel Team und die Sterne am Firmament schienen gar strahlen zu wollen als sich auch ein dritter Fahrer am Teameinstig interessiert zeigte. Nun ist es ja gar nicht so einfach sich in ein so legendäres Rennteam wie in das unsrige einklinken zu wollen, was müssen da alles für Voraussetzungen gegeben sein – ein wilder Kerl muss er sein, der mangelnde Leistung der Badewanne durch schieren Wahnsinn zu ersetzen bereit sein sollte – gesellig und mit spontanem Witz muss er gesegnet sein um mit manchem Bonmot das Team an langen Eifelabenden im illustren Lindenhof erheitern zu können – zartbesaitet und einfühlsam muss er sein um die Badewanne auch unbeschadet durch die Unbilden der Grünen Hölle zu steuern – finanzstark muss er sein um auch nur in etwa die Milliarden von Lire, die die Vorbereitung der Badewanne in den letzten fast 20 Jahren verschlungen hat auch nur in Teilen zu refinanzieren. Kurzum es schien sich dieser güldne Ritter am Firmament für die neue Saison abzuzeichnen der das erfolgsverwöhnte Team um die Schrauber Atze „Magic“ Reinink, Henrik „Kaczmarek“ Verspohl und Andreas „der aus der Stadt stammt über die man nicht spricht“ Pichler sowie Curt „ich geh noch mal die Strecke durch“ Wagner und meiner Wenigkeit das Urhörnchen verstärken könnte.
Wie´s manchmal kommt, wenn´s gerade zu schön zu werden scheint – nämlich anders – so kam´s auch hier, wenngleich auch nicht unbedingt nötig zugleich doppelt. Erstens musste unsere Traumverstärkung schon vor Saisonbeginn beruflich bedingt seinen Start auf den Spätherbst verschieben – wir Enthüllen auch erst dann die Identität von Ihr wisst schon wem – zweitens entpuppte sich eine grandiose Ingenieurs-Idee in der Praxis als etwas zu genau – doch dazu später.
Die Badewanne wurde noch in der kalten Neujahrsnacht aus dem heimatlichen Vaals ins südliche Freiburg zur Kur verbracht, was u.a. von südlichen Flying Squirrel-Fans aufgeregte Rückfragen aus dem verschneiten Breisgau mit sich brachte, ob dort wohl ein winterliches Schauinsland-Bergrennen nicht ausreichend vorangekündigt sei. Sämtliche Telefon- und Freundesketten wurden aktiviert um manches begehrte Ersatzteil wie neue Aluminium-Türen aus wer weiß wo her zubekommen, so fügte sich langsam eins ins andere und auch Ton in Luxemburg und Magic Atze aus Freiburg hatten sich bereits zusammengefunden um a) alten Motor zwecks Überholung nach Letzeburg und die neue Wunderwaffe vom kleinen Großherzogtum an den Oberrhein zu verbringen.
Alles klappte also wie am Schnürchen und die telefonischen Meldungen aus Atze´s Werkstatt brachten eigentlich nur frohe Botschaften – ein ums andere Wehwehchen der letzten Saison wurde lokalisiert und ausgemerzt, manchmal war schlicht Materialermüdung die Ursache, manchmal lag aber auch der Fehler schlicht im Detail. Einiges am Gewicht wurde noch eingespart, so flog halt nach Jahren jetzt endlich die Heizung raus, das Gebläse blieb aber wegen der immer noch vorhandenen Straßenzulassung und der holländischen Vorschrift um das Vorhandensein eines funktionierenden Gebläses drin.
Freudig erkannte ich also, wie schon so oft zuvor, die Werkstattnummer von Atze im Display meines heimatlichen Telefonanschlusses und war begierig auf die neuste Erfolgsmeldung der Saisonvorbereitung als die Hiobsbotschaft langsam aber stetig in die Windungen meines Hirns drangen – der neue Motor war beim ersten Warmlaufen im Stand festgegangen – Bye Bye 2005er Budget – Bye bye Hoffnung auf die frischen Mehr-PS.
Die noch in der Nacht von Magic durchgeführte Fehleranalyse zeigte, dass – unglaublich aber wahr – das Nockenwellenantriebsrad einfach quer durchgerissen war und die Bruchstücke die Kurbelwelle blockiert hatten – schön das war der Fehler, was aber war die Ursache? Materialfehler des neuen Nockenwellenrads? Na ja, nach längerer Diskussion war wohl eine Optimierungsidee unseres Chef-Motorenbauers Ton Maathuis die Ursache. Ton hatte als Perfektionist auch kleinste Toleranzen abstellen wollen und hatte ein allgemein bekanntes und doch unterschätztes Phänomen eliminieren wollen. Jeder der mal selbst mit einer Prüflampe die Zündung an einem MGB eingestellt hat kennt den Umstand von dem hier die Rede ist. Man rollt den Wagen nach vorne, die Prüflampe geht an um zu signalisieren, das die Zündkontakte öffnen, tja leider zum falschen Zeitpunkt, also noch mal nachstellen und schiebt den Wagen zurück – nur – komischerweise die Prüflampe bleibt immer noch an – die Kontakte sind also immer noch offen und man schiebt viel weiter zurück als man eben noch nach vorne geschoben hat bis endlich das Lämpchen wieder erlöscht. Woran liegts? Tja es ist also Spiel im Verteilerantrieb – aber wo? Da der Zündverteiler von der Nockenwelle angetrieben wird muss hier irgendwo die Ursache liegen und Ton rückte dieser Ursache mit holländischer Akribie auf den Leib. Die Ursache ist ein von Werk aus zu großes Axialspiel der Nockenwelle die über ihren schrägverzahnten Antrieb die Verteilerwelle bedient. Ton hatte hier die von vorn in den Motorblock eingeschobene Nockenwelle und dort vorne per Platte gesicherte Welle durch Feinarbeit an der Halteplatte auf ein Minimalaxialspiel und so auf ein Minimalspiel in der Zündung eintariert. Tja und das war wohl zu wenig Spiel als der Motor sich warmlief und so das Material der Welle sich ausdehnte – Knick war die Welle fest – knack zerbarst das Antriebsrad.
Magic Reinink behielt trotz Tränen in den Augen nach dem Konsum einer Flasche Eifelgeist die Nerven, Ton die Übersicht und trotz des Malheurs stand die gute alte Badewanne 2 Wochen später mit nochmals neuen Teilen unter eigenem Dampf laufend auf dem heimatlichen Hof in Vaals. Freudig wurde das Team zum Umtrunk zusammengerufen und die Pläne für Egons 500 am ersten Mai-Wochenende geschmiedet, galt es doch dort ein Terminproblem zu lösen, nur eine Stunde nach Rennende sollte trotz meiner Intervention beim DFB der weltbeste Fußballverein mit Geißbock im heimischen Müngersdorf auflaufen! Also musste ein zweiter Fahrer – der geneigte Leser erinnert sich, dass Curt „ich geh noch mal die Strecke durch“ Wagner, der eigentlich Weltbeste MGB-Copilot just an diesem Wochenende mit dem MAG durch Griechenland fahren wollte und somit nicht zur Verfügung stand – gesucht werden, der a) den zweiten Turn fahren b) ein geeignetes Straßenfahrzeug zu meiner Verbringung nach Müngersdorf und c) genügend Geld zur Verfügung stellen würde.
Es ist wie es ist – oder et kütt wie et kütt wie der Rheinländer zu sagen pflegt – niemand verband alle drei Qualitäten und so musste schweren Herzens das erste Rennen der Saison abgesagt werden – Für alle Fans wir sind wieder dabei am 24.-26.Juni beim Jan Wellem Pokal
Also Tot ziens – bis dahin
Euer Flying Squirrel
Horst Pokroppa
PS: Auch an dieser Stelle wieder der Aufruf an alle die so nett sind uns mit Sach- und / oder Geldmittel unterstützen zu wollen – meldet euch unter flyingsquirrel@web.de oder schaut auf unserer Site www.mgcars.de/squirrel vorbei. Wie immer gilt – jeder Cent hilft und auf unserer Site sind die nettesten Fan-Artikel käuflich zu erwerben!
Pictures courtesy of Andreas Pichler, Henrik Verspohl, Curt Wagner and Flying Squirrel.