Was macht der Mann da | ![]() | Papa? |
Mit weit aufgerissenen Augen fragt das kleine Mädchen seinen Erzeuger und beobachtete den Mann, der triefend nass im Nieselregen vor dem alten Holzschuppen im Matsch stand, dem die dicken Tropfen vom alten breitkrempigen Cowboyhut in den Nacken liefen und der eine merkwürdige Konstruktion, nicht gewehrunähnlich, in der linken Hand hielt.
Doch halt, der geneigte Leser dieser Postille kennt den komischen Kauz im holländischen Limburg vielleicht auch nicht, Eingeweihten des oktogonalen Rennsports ist er kein Unbekannter, aber langsam – an dieser Stelle sei er und sein Team kurz vorgestellt. Flying Squirrel, ein Team ganz dem heiligen Oktogon verschworen, macht seit nunmehr über 20 Jahren in wechselnden Besetzungen die europäischen Rennstrecken unsicher. Seit einigen Jahren hat sich nun folgender harter Kern herauskristallisiert:
Die 2003er Saison lag, weitgehendst problemlos verlaufend, hinter uns, nur der Abend vor dem letzten Rennen hatte es italienisch in sich. Ein Mailänder Range Rover hatte seine schieren Ausmaße verkennend beim Rückwärtssetzen unsere herrliche Alu-Fahrertür zu einem Papierknäuel nicht unähnlichem „Ding“ deformiert und Curt, dem Ästheten im Team, nahe dem Nervenzusammenbruch gebracht, ich selbst hatte eigentlich nur das Problem ob ich aus der knappen Rennschale nicht doch auf Curts Schoß hüpfen sollte um der bedrohlich nah kommenden Anhängerkupplung des Range Rovers auszuweichen, aber bar jeder homosexuellen Erfahrung und Neigung brachte mir der kleine Hüpfer doch große Gewissenskonflikte, die, als ich mich gerade doch für eine neue Erfahrung entschieden hatte, auch schon unnötig wurden, da der italienische Fahrer die Bremsleuchten neben meinem linken Ohr aufleuchten und den Achtzylinder des Range Rovers absterben ließ.
Mutige Hammerschläge in der dräuenden Nacht des historischen Fahrerlagers am Ring machten die Tür wieder öffnenbar und das letzte Rennen der Saison – den 750 Meilen zum fahrerischen Genuss und das VIVA COLONIA im Anschluss im Lindenhof nach dem Verzehr mancher Eifelgeister wohltönend.
Die Rückfahrt mit dem bekannten Volvo Amazon – Rennhänger Gespann durch die vorweihnachtliche Eifellandschaft brachte denn eine besinnliche Stimmung und die Gedanken schweiften in die Ferne. Was könnte man verbessern in 2004? Änderungen im Team waren von vornherein auszuschließen – wo könnte man je wieder eine solche Truppe zusammenbringen? Technik? – Ja, Ton war bereits dabei einen neuen „unkaputtbaren“ Rennmotor zu konstruieren – das war bereits auf den Weg gebracht. Sponsoren!! – das unlösbare Problem – Heerscharen kommet zuhauf und meldet euch- ewig seid Ihr willkommen! Aber dieses Problem scheint unlösbar wie der Gordische Knoten und in Persona so unauffindbar wie der heilige Gral – nein die Verbesserungen sollten im Detail liegen – die Elektrik musste nach 15 Rennjahren endlich mal auf Vordermann gebracht werden, die Heizung rausfliegen und durch einen starken Lüfter für das „Freiblasen“ der Frontscheibe ersetzt werden, die Bremsen generalüberholt und all die Kleinigkeiten, die in 2003 liegengeblieben waren schlussendlich erledigt werden.
Aber da war noch ein Ding – eine mobile Heimstatt für das fliegende Eichhörnchen, die gleichzeitig auch „zugfähig“ sein sollte musste her. Dank sei Ebay war es Anfang Dezember soweit und unweit von Freiburg stand ein VW T3 Wohnmobil zum Verkauf, Atze befand ihn nach kurzem Check für „Squirrelreif“ und wollte das neue Teammobil zur Saisonabschlussfeier nach Vaals- der Heimstatt von Flying Squirrel – bringen um die Badewanne zur Saisonvorbereitung nach Freiburg zu entführen.
Begnadeten Mechanikern muss man das Leben leicht machen, also sollte die Badewanne an jenem feuchten Januartag fahrfertig aus dem Schuppen gerollt werden um am Abend den feingliedrigen Händen von Atze gen Freiburg entführt zu werden. Nur – Anspringen wollte das Biest nicht, zu stark waren seine Heimatgefühle um an diesem trostlosen Tag in die Fremde zu ziehen. Um der drangvollen Enge des Holzschuppens zu entweichen hatte ich die stolze Badewanne rückwärts vom Rennhänger in die heimatliche durchweichte Wiese rollen lassen um mittlerweile 2 Stunden lang mit Lötbrenner Warmlaufkerzen zu erhitzen, Ersatzbatterien zu holen, Stoßgebete gen Himmel zu schicken und böse Flüche im kalten Regen zu unterdrücken.
Jetzt war aber Schluss mit lustig! Die Propangasflasche mit dem langen Brenner zur Unkrautvernichtung wurde aus dem Gartenschuppen herangeschleppt und drohend vor der unwilligen Badewanne in Positur gebracht. Just in diesem Moment kamen dick vermummt eben jenes kleines unschuldigen Mädel und ihr bibbernder Papa den Feldweg entlang. Grimmig drehte ich an der Gasflasche den Hahn auf , nahm die silbrig schimmernde Lanze zur Unkrautvertilgung in die linke, den Zündschlüssel in die rechte Hand, schob die Lanze, dem kleinen Mädel fest in die Augen schauend, unter die geöffnete Motorhaube, betätigte den Hebel der Gaslanze und den Zündschlüssel gleichzeitig um - nicht um die Badewanne endgültig wutentbrannt in die ewigen Jagdgründe zu schicken – sondern um einen explosionsfähigen Gasstoß in die offenen Weberansaugtrichter zu schicken.
VROOOMMM – mit Donnerhall startete die gute alte Badewanne dermaßen überredet um nach wenigen Augenblicken in ein zufriedenes Brabbeln zu verfallen. Die wenigen Meter bis zum rettenden Kies trieb der treue MGB tiefe Furchen in die aufgeweichte Wiese um dem kommenden Atze zu harren.
Dem verdutzten Mädchen drückte ich noch freudetrunken einen dicken Schmatz auf die Stirn und eine Tüte Gummibärchen in die Wollhandschuh geschützte Hand.
Unaufhaltsam nähert sich die Saison und noch ist kein edler Sponsor in Sicht. Wer das Team in welcher Weise auch immer unterstützen will wende sich an Flying Squirrel – Bis dahin
Tot ziens – euer Flying Squirrel
Horst Pokroppa
Pictures courtesy of Andreas Pichler, Henrik Verspohl, Curt Wagner and Flying Squirrel.