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Vorbereitung

auf Saison 2003


Breitbeinig vor dem Flying Squirrel-Anhänger stehend vernehme ich verwundert ein leises Knacken und Knirschen, das ich nicht wirklich zuordnen kann. Stolz schweift mein Blick ¸ber den im satten Glanz strahlenden, mit den breiten Vorderrädern schon auf dem Hänger ruhenden MGB, der ob seiner auffallenden Farbe, irgendwann Badewanne getauft wurde. Endlich war er wieder einsatzbereit und brabbelte mit dumpfem Sound im Leerlauf. Zur Feier des Tages hatte ich an der alten Auffahrbohle des Hängers die morsche Stelle ausgesägt und frisches Holz aufwändig eingepasst, die Nahtstelle gekonnt verzapft und mit einer Metallverstärkung unterlegt. Beim Herauffahren des altgedienten und frisch getüvten Renn-Bs hatte dieser, bereits halb oben, mit der Wagenheberaufnahme aufgesetzt und mich so um aussteigen genötigt. Da - jetzt hörte ich es wieder. Woher kam nur dieses Knirschen? Jäh weiteten sich meine Augen als ...

Aber erst mal von Anfang an, was war seit dem unrühmlichen Abgang von der letztjährigen Eifel-Klassik passiert? Bekanntlich wird im Ruhestand des neuen Rentners Zeit erst knapp. Nach der eher unrühmlichen Saison 2002 in der ausser Spesen nix gewesen war, hatte Ton seinen endgültigen Abschied von der aktiven Laufbahn a) als Rennfahrer und b) als aktiver Arbeitnehmer verkündet. Waidwund war die arme kleine Badewanne, ihres Zeichens ein tapferer alter Meerjungfrauen blauer MGB in den Holzschuppen gerollt, das Tor geschlossen und die Tränen getrocknet worden, als neue Hoffnung für das Jahr 2003 aufkeimte! Ton, der frischgebackene Ruheständler bot an die blasse Leiche zwecks Sezierung nach Luxemburg zu entführen um der Ursache des frühen Motortods auf die Spur zu kommen. Um dieses freudige Angebot entsprechend zu honorieren lud die besten aller Ehefrauen das geschundene Flying Squirrel Team zur mittlerweile traditionellen Abschlussfeier an den reich gedeckten Vaalser Tisch. Dank ausgiebigem Genuss feinster Luxemburger Traubenerzeugnisse festigte sich zu fortgeschrittener Stunde die allgemeine Überzeugung, das es mit dem Alt-Herren-Rennteam nur aufwärts gehen konnte und das alle Fehler der Vergangenheit nun eben nur derselben angehören könnten.

Curt stockte spontan seinen Team-Anteil von 33% auf 50% auf, Ton versprach sich neben dem Wiederaufbau der Mechanikauch darum zu kümmern, dass die mittlerweile gemeinsam 100 Jährigen jungen Wilden des Teams auf den Renn-Wochenenden nicht im Übermut etwas am B zerstörten und Vati - da waren wir uns alle sicher - würde für die Ernstfälle des Lebens mit Rat und Tat am Rand der Strecke bereitstehen. Das für 2003 kein Sponsor, nicht mal ein klitzekleiner irgendwo am Rande des Horizonts, in Aussicht war schien da noch das kleinste Problem.

Zunächst musste die kleine tapfere Badewanne doch auf dem Luxemburger OP-Tisch wieder die ersten konstanten Herztöne auf dem Bildschirm sichtbar machen. Nur kurz nach der exzessiven Abschlussfeier rief Mijnheer Maathuis an um den ersten Zustandsbericht von der Wiederbelebung des treuen Renners zu geben. Ein Kolben war wie beim ersten Motorschaden einfach zerschmolzen, etwas was uns in den letzten zehn Jahren nie passiert war. Unklar war immer noch die mögliche Ursache, der Ton weiterhin auf der Spur blieb. Die Theorie, die sich nach weiteren Untersuchungen herausbildete, beschuldigte das Thermostat als Verursacher allen Übels. Die Repro-Thermostate hatten nämlich keinen "Bypass", dass heisst ein kleines Loch über die ein Minimalwasserfluss auch bei geschlossenem Thermostat gewährleistet wird. Folge, laut Ton ist, dass von unten ein Hitzestau des heissen Wassers gegen das kalte Wasser aus dem Kühler kämpfen würde und der echte Kühlkreislauf bei geöffnetem Thermostat so den Tick zu spät zu Stande kommt, der dem empfindlichen Alu-Kolben den Hitzetod verordnet.

Schauen wir mal würde Franz sagen.

Die ondulierte Aluhaube wurde in einem Aufwasch durch eine freundlicherweise im Zusammenspiel mit einigen zurückhaltenden Clubfreunden in Ebay preiswert ersteigerten Gebrauchthaube ersetzt. An einem freundlichen Frühlingstag im frühen April gabs denn das lang erwartete Wiedersehen mit der alten Badewanne. Ton hatte im ländlichen Belgien eine kleine Werkstatt gefunden, die sich liebvoll der Lackierkunst hingegeben hatte. Dort stand die mittlerweile fertige kleine Badewanne, die langsam Sehnsucht nach dem Heimatschuppen hatte. Mit dem mittlerweile als Familienkutsche engagierten Rover Cabrio, ja so was hat Rover tatsächlich in den Neunzigern gebaut, nebst Hänger ging`s gen südliches Belgien oder nördliches Luxemburg, je nach dem wie mans sieht, um das Abholen des Renners mit einer Wochenend-Frühjahrsausfahrt des MG Car Clubs Luxemburg zu kombinieren. p>Ton hatte mich schon vorgewarnt, dass die Dame des Hauses kaum davon erbaut war, dass Teutonen am heiligen Sonntag ein Fahrzeug abholen wollten. Entsprechend kratzbürstig war der Empfang am sonnigen Sonntagmittag. Der Blick in die glänzenden Kinderaugen von Lucia und Laurenz, meiner beiden Bambini, beim Anblick der meerjungenfraublau blinkenden Badewanne erweichte aber auch das frostige Herz der Hausherrin und so gab es neben einem Kaugummi für die Kinder auch lobende Worte für den netten kleinen MG, sowie die Frage wo sich denn die verrückten MG-Fahrer am Nachmittag versammeln würden, da ihr Sohn da bestimmt gern mal schauen käme. Laurenz konnte man kaum auf Rückbank halten auf der anschliessenden Rückfahrt. Immer wieder kniete er sich auf dem Rücksitz um über das in der Frühlingssonne geöffnete Verdeck des Rovers den im Schlepptau befindlichen Renn-MG zu bewundern. Ich denke noch 12 Jahre und es gibt wieder einen 3. Fahrer fürs Flying Squirrel Team.

Die Frühjahrstour mit 10 Meter Gespann über kleine und kleinste Ardennensträūchen wollte ich mir und den Kindern denn doch nicht antun, so beschränkten wir uns auf das opulente Mittagsmahl und die ersten oktogonalen Benzingespräche am idyllischen See in der Nähe von Sankt Vith um von dort den Heimweg anzutreten.

Back im heimatlichen Vaals stand für den Heimkehrer die jährliche holländische TÜV-Prozedur und der Einbau eines weiteren Ebay- Schnäppchens - ein preiswerter Kenlowe-Elektrolüfter - an. Die obligatorische TÜV-Prüfung um die Strassenzulassung zu Testzwecken zu erhalten schaffte der Kleine, wie üblich, mit Bravour. Deutsche TÜV-Prüfer würden wohl bei ähnlichem Ansinnen, je nach Veranlagung, mittlere Herzinfarkte oder hysterische Wutausbrüche erleiden, der niederländische Rijksdienst voor het Wegverkeer - das Pendant zum deutschen TÜV - sieht dies eher locker.

Da es am B aktuell nichts mehr zu tun gab nahm ich mir an einem sonnigen Samstagnachmittag die altgediente morsche Auffahrbohle des Transportanhängers vor, um auch hier etwas neuen Glanz in altes Holz zu bringen. Das Finish der frisch geflickten Bohle konnte sich nach zwei Stunden ehrlicher Schreinerarbeit sehen lassen. Jetzt konnte der B bis zum ersten Einsatz am 28. Mai im Vorprogramm des traditionellen 24 Stunden Rennens am Nürburgring wohlverdient und gutvertäut auf seinen Hänger im letztjährig eigens für ihn neu erbauten Schuppen ausruhen. Mit sattem Bollern sprang er an und war schon halb auf dem Hänger, als - wie so oft - er mit der Wagenhäberaufnahme am Hänger hängen blieb. Kein Problem, die Handbremse anziehen, aussteigen, mit der Kurbel das Spornrad des Hängers Hochkurbeln um so den Winkel zwischen Auffahrbohle und Hänger etwas abzuflachen. In Vorfreude auf ein kühles Kölsch nach bald getaner Arbeit verweilte ich noch einen Augenblick vor dem halbaufgefahrenen B stehend auf dem Hänger.

Da - wieder dieses Knirschen oder doch Knacken? Diesmal vernehmlich aus dem Auspuffbrabbeln herauszuhören. Dann geschah alles gleichzeitig und in Sekundenbruchteilen und doch wie in Zeitlupe vor meinen jäh geweiteten Augen und ungläubig lauschenden Ohren ablaufend.

Erst der Knall, als die Auffahrbohle unweit der kunstvollen Reparaturstelle einfach durchbrach, dann das Knirschen des auf dem Hänger zerschellenden Glasfiberspoilers untermalt durch meinen entsetzten Aufschrei beim Sprung vom sich durch die abrupte Gewichtsverlagerung aufbäumenden Anhängers. Nichts ist für die Ewigkeit - glaubst du dich am Ziel liegt der Weg noch vor Dir!


Pictures courtesy of Andreas Pichler, Henrik Verspohl, Curt Wagner and Flying Squirrel.