Rolling Home - Abenteuer zu Lande und mit Wasser

Mit dem TD durch England

Von Dagmar Bardelmeier/Photos von Andreas Pichler


Schon 1992 bei unseren ersten Fahrten mit dem damals frisch gekauften MG TD von 1952 um San Francisco herum gärte in uns die Idee : Wir fahren mit ihm nach England und zeigen dem Kleinen seine Heimat.

6 Jahre später und um die im Winter 97-98 gemachte Erfahrung eines kapitalen Motorschadens reicher, der ein eindeutiger Standschaden war, waren wir nun endlich soweit dieses Versprechen einzulösen.

So fuhren wir Fronleichnam mittags, trotz Nieselregens und einstündiger Diskussion ,ob man nicht lieber einen MG B GT beladen sollte, ab. Es siegte die in diesen Winter teuer und an 6 kalten Wochenende leidvoll erbastelte Erfahrung: ein Auto muss gefahren werden!

Mit all diesen Gedanken im Hinterhirn und einer guten Portion rheinischen Optimismus (Et het noch immer joodjejange) liessen wir uns auf dieses Abenteuer ein.

Ab jetzt spielte das Wetter für uns eine ganz neue, grosse Rolle. Zwar hat der Wagen ein Verdeck, das auch relativ dicht ist, aber es ist aus Stoff. Ein nasses Stoffverdeck, das nicht trocknen kann schimmelt schnell und gern und das aufgespannte Verdeck mit Steckscheiben ''geschlossen'' im Regen stehen zu lassen heisst dem Wasser im Wageninneren ein ständiges Heim anzubieten und den Zustand des Wagens deutlich zu mindern und Folgearbeiten am Holzboden geradezu herauszufordern. Die Konsequenz hiess - Stofftonneau benutzen und mal schauen wie gut die eigene Regenbekleidung ist.

Der Regen testete uns schon auf der Anreise aus, als wir vor Antwerpen versuchten, einem Gewitterregen davon zu fahren und in einen Stau gerieten.

Die zweite regnerische Heimsuchung traf eigentlich mehr unseren TD. Während wir in Calais auf das HoverCraft warteten , welches auch noch wegen schlechten Wetters eine Stunde Verspätung hatte, holte uns das hinter uns gelassene schlechte Wetter wieder ein. Als wir nach einer guten Stunde auf dem Parkplatz nach dem Rechten sahen, traf uns fast der Schlag. Die vom Wind aufgepeitschte Gicht und die neben dem Parkplatz liegenden Düne hatten unser Auto richtiggehend paniert und den Sand in jegliche Ritzen des Wagens getrieben. Wir waren entsetzt. Das hatten wir unserem Auto nicht zumuten wollen.

Nach einer stürmischen Überfahrt brachte uns der total versandete TD noch klaglos bis nach Oxford, wo Freunde auf uns warteten.

Den nächsten Tag verbrachten wir dann damit, unser Auto vorsichtig erst vom Sand zu befreien und dann zu waschen (ausgiebige Motorwäsche inklusive) da es überall unheilverkündend knirschte.Manche Teile mussten wir sogar abgebauen, um sie vernünftig reinigen zu können. Gleichzeitig wurde er technisch nachgeschaut und alle Schmierdienste erfüllt.

Zum Ende des Tages konnten wir bei Sonnenschein unseren ziemlich sauberen TD noch die Reste seiner Geburtsstätte zeigen und die gute Laune kehrte zurück.

Leider war das unser letzter durchgehend sonniger Tag der Reise.

Das Wetter in England blieb weiterhin durchgehend sehr mässig. Als kleines Handicap (eigentlich sollte es ein Höhepunkt sein) wollten wir am Wochenende zum 25 jährigen Clubtreffen des englischen MG Owner Clubs, das in der Nähe von Cambridge stattfinden sollte. Dort war Camping vorgesehen. Wir haben dort auch gezeltet - aber der Samstagnachmittag gehört deutlich zu den schwärzesten Momenten dieser Reise. Die Hälfte der 3 stündigen Anfahrt regnete es ziemlich heftig (wir fuhren natürlich offen- siehe die Vorbemerkungen!) . Die letzte Stunde Fahrt verbrachte ich damit, mit einem Fensterleder abwechselnd die Fahrzeugscheibe von innen von Tropfen zu befreien, Andreas Brillengläser trocken zu legen oder die Armaturen trocken zu feudeln. Ansonsten wischte ich mit einem Duschhandtuch die lederne Inneneinrichtung ab oder Andreas Lederjacke an den Schultern - da wurde es fühlbar feuchter - oder versuchte kleine Wassereinbrüche durch die einfachen Türfalze aufzuhalten. Gekrönt wurde alles dann und wann durch einen munter über der Scheibe wirbelnden Scheibenwischer, der durch heftige Windböen aus der Fassung zu bringen war. Mit solcher Art angespannter Nerven erreichten wir das Ziel im Regen. Irgendwie hatte uns bis dahin eine Art irrwitziger Hoffnung aufrechterhalten, nun dort angelangt risse, wie im Choral, der Himmel auf und wir würden durch einen strahlenden blauen Himmel belohnt für all«unsere diesseitige Qual - mitnichten!

Wir hatten zwar das Glück nur im feinen Nieselregen unser Zelt aufbauen zu dürfen, aber es lief alles entschieden anders als erhofft. So sass ich im aufgebauten Zelt (trocken!) und schaute auf den sich wieder verstärkenden Regen und sah vorm inneren Auge unser Auto mit langsam durchlässiger Plane - irgendwann ist auch eine doppelte Antiregenemprägnierung am Ende. Ich hätte am liebsten die in den umliegenden Zelten lachenden und sich prima amüsierenden Engländer würgen können. Die hatten es gut - falls deren Zelt bei anhaltenden Regen landunter angezeigt hätte, hätten die sich einfach in ihr geschlossenes Auto verzogen - keine Alternative für uns!

Es war zum Heulen - aber da mussten wir jetzt durch. Es ging mir erst ein wenig besser, als ich einen Teilehändler auf dem Gelände ein grosses Stück Plastikplane abschwatzte (ich muss wohl ziemlich verzweifelt ausgesehen haben) und wir unser Auto notdürftig, aber genügend ''regenfest'' machten.

Insgesamt war es am Samstag nachmittag eine traurige Veranstaltung. Die angesetzte Rally wurde wegen Regens irgendwann abgebrochen.

Es standen nur wenige Teilehändler mit traurig verregneten Teilen am Rande der Veranstaltung; selbst die Zelte des Veranstalters waren verwaist. Alle Restaurants machten gerade zu als wir uns reinsetzten und aufwärmen wollten (der TD besitzt das Extra Heizung leider nicht!). Die kulinarische Krönung wurde ein Hot - Dog für 3 Pfund, welcher aus einer Art Semmelbröselkrokette im Brötchen bestand.

Abends hatte man ein Konzert von Hot Chocolate auf die Beine gestellt und das in einer trockenen Halle! Es hörte sogar auf zu regnen und so war der Abend eigentlich recht nett. Aber kaum entschieden wir uns, unser Zelt aufzusuchen (etwa 10 Gehminuten entfernt), da fing der Regen wieder an. Aber man staune: kaum waren wir im Zelt hörte es auf zu regnen und das hielt sich scheinbar sogar die Nacht über. Morgens war zwar alles reichlich klamm, aber grundsätzlich relativ trocken. So konnten wir also ein fast trockenes Zelt wieder einpacken, unser Auto aus der Plastikfolie auspacken und schon war man wieder glücklich.

(Es ist unglaublich, wie die Aussicht auf ein trockenes Bett am Abend den Tag verschönen kann!)

Da wir so weit auf eigenen Rädern angereist waren, hofften wir wenigstens als Belohnung unserer Bemühungen den oft bestehenden Pokal für das Fahrzeug mit der weitesten Anreise abzustauben. Leider gab es den hier nicht. Dafür meldeten wir unser Auto 10 Minuten vor Beginn der Veranstaltung für den Concours d'Elegance an. In unserer Altersklasse gab es nur einen Mitbewerber und der war in ähnlicher Konditon wie unserer Wagen, das ermutigte uns. Ausserdem stand das Fahrzeug dann den ganzen Tag in einer trockenen Halle; ein wirklich sehr guter Grund. Wir fuhren also unser Auto in die Halle; luden alles aus und ab; spannten das Verdeck auf; legten das Werkzeug zum Begutachten raus und feudelten noch 5 Minuten über den Chrom.

So gewannen wir dann den 1. Platz in unserer Klasse mit kleinem Pokal und einer Urkunde, in der die vergebenen 126 Punkte spezifiziert wurden.

Wir freuten uns darüber wie die Schneekönige, auch wenn wir beim späteren Nachdenken zu der Überzeugung kamen, dass der Rest der Teilnehmerschaft, es wohl nicht so witzig gefunden haben muss, dass jemand, der kurzfristig dort teilnimmt und kaum Mühe in das Herrichten des Fahrzeuges vor Ort steckt, auch noch einen guten Platz dafür abräumt.

Im Nachhinein haben wir noch von einigen Leuten gehört, dass die Teilnahme eines Wagens mit deutlichen Gebrauchsspuren beim Concours zu ziemlichen Diskussionen geführt hat. Die Zuschauer fanden es toll, ein paar Teilnehmer auch - der Rest schwieg sich aus.

So mit einem Pokal geehrt hatten die Strapazen für Fahrzeug, Fahrer und Beifahrer einen neuen Sinn erhalten und wir konnten dem sehr durchwachsenen Wetter der folgenden Tage besser begegnen als vorher. Weiterhin blieb das Wetter der Meinung, gutes Wetter könne nur ''Verweichlichen'', aber fairerweise sei erwähnt,dass wir teilweise auch sonnige Momente in unserem TD verlebten.

Selbst einige Sightseeingerlebnisse, wie Windsor, Eton, Cliveden House durften wir trockenen Fusses erleben. Ja, sogar die dreistündige Bastelei am MG B Roadster unserer Freunde Ulla und Stephan in Oxford ( Wechsel der Gummibuchse unterer Querlenker ) konnte ohne Regenintermezzo von statten gehen.

Die Rückfahrt nach Dover über viele kleine Landstrassen machte uns den Abschied von der Insel richtig ein wenig schwerer.Das letzte Highlight sollte noch ein Besuch des Gartens von Sissinghurst werden. Das wurde er wirklich, trotz des Gewitters, welches kurz nach Eintritt in den Garten begann. Aber selbst dem konnten wir was Positives abgewinnen, denn dadurch war der immer überlaufene Garten ausnahmsweise recht leer.

Auch auf dem Kontinent blieben uns die dunklen Wolken treu und so war es nicht verwunderlich, dass unsere Ankunft zuhause während des Ausladens mit kräftigen Regenschauern gefeiert wurde.

Tags darauf wurde unser TD nach seiner gut 1000 Meilen Reisestrapaze mit einer exquisiten Handwäsche verwöhnt und ihm wurden Abschmierdienst und Zündeinstellung zuteil. Beim Einstellen der Zündung brach dann der Haltebolzen der Riemenscheibe ab (Reisemüdigkeit?). Aber bis nach Hause hat uns der Midget ohne jegliches Murren gebracht.


All pictures courtesy of Andreas Pichler.

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